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Samenfest vs. F1-Hybriden - Was ist das eigentlich?

Samenfeste, alte Sorten vs. F1-Hybriden - Was ist das eigentlichViele Anfragen im Shop zum Thema Saatgut gehen in Richtung "Ist das Gentechnik-frei?" oder "Was können Sie empfehlen, ich will aber keine F1-Hybriden " ...

Grund genug, hier einen kleinen Infotext zu verfassen, was es mit Hybriden, Kreuzungen und samenfesten Sorten auf sich hat.

Eines vielleicht für die (potentiellen) Shopkunden vorweg: Im Shop findet Gentechnik definitiv keinen Einzug und Hybrid-Sorten sind bereits im Artikelnamen mit "F1-Sorte" gekennzeichnet (alle anderen Sorten sind entsprechend samenfest, WildkrautARTEN sowieso).

Bevor es ins Detail geht, noch zwei wichtige Begriffe, die nicht durcheinander gebracht werden dürfen: Sorte und Art.

 

 

ThemaWas ist eine Art, was bedeutet Sorte ?

Die exakte Beantwortung dieser Frage ist nicht ganz einfach, für die Situation im Beet/ Garten genügt aber die "Kurzversion" des biologischen Artbegriffes völlig:

 
Eine Art ist biologisch so definiert, dass sich die Individuen einer Art miteinander vermehren können und - das ist wichtig - weitere fortpflanzungsfähige Individuen bilden.

 

Von Natur aus definitiv nicht miteinander "paarungsfähig" sind z.B. Hokkaido, Sonnenblume, Phacelia und Tomate - es handelt sich also um verschiedene Arten.

 
Hokkaido Sonnenblume
Phacelia Tomate


"Sorten" sind quasi Varianten einer Art und besitzen alle Kennzeichen der übergeordneten Art, von Sorte zu Sorte gibt es aber gewisse Merkmalsunterschiede (z.B. in Fruchtform, -Farbe und Geschmack).

Was bedeutet das, im Gemüsebeet oder auf dem Balkon? 2 Beispiele hierzu:

 

1) Tomaten:
Von den Wildtomatenarten wie Solanum pimpinellifolium abgesehen, gehören die meisten bei uns im Garten angebauten Tomaten einer Art an: Solanum lycopersicum (Synonym: Lycopersicon lycopersicum). D.h. alle Sorten dieser Art können sich untereinander kreuzen (und machen das auch).

Black CherryOld GermanReisetomateRiesentraube

   
 

2) Chili/ Paprika:
Hier sind die vielen angebotenen Sorten auf mehrere Arten verteilt.

  • zur Art Capsicum chinense gehören die bekannten und sehr scharfen Habaneros ebenso wie die höllisch scharfe Bhut Jolokia
  • zu Capsicum annuum zählt die Vielzahl an Chili- und Paprika-Sorten
  • zu Capsicum pubescens gehören Sorten mit schwarzen Samen wie die Rocotos/ Mazanos

Bhut JolokiaJalapeno

Das bedeutet, wenn Sie beispielsweise von jeder Art eine Sorte nebeneinanderstellen, können keine Kreuzungen stattfinden, wenn Sie mehrere C. annuum-Sorten wie Anaheim, Jalapeno und Serrano nebeneinander stellen, kann dies sehr wohl passieren.

Sortenreinheit - geht das überhaupt?
Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich im Shop keine Sortenreinheit garantiere: Das ginge nur, wenn man bei jeder Pflanze bei Blütenbildung diese Blüten in Beuteln vor Fremdbestäubung schützt - also alle Blüten in Handarbeit bestäubt. Durch Einkauf des Saatgutes bei großen Produzenten mit großen Flächen mit ein und derselben Sorte wird aber für ein Höchstmaß an Sortenreinheit gesorgt.

Samenfeste Sorten bilden nach der Bestäubung im Idealfall auch in der nächsten Generation/ aus den gebildeten Samen wieder Pflanzen mit den gleichen Eigenschaften wie die "Mutterpflanze", sind also als gleiche Sorte anzusprechen. Idealfall bedeutet hier, dass die Ausgangspflanze nicht bereits "gemischtes" Erbgut enthält und/oder noch weitere Sorten in nächster Umgebung stehen, wodurch sich so genannte Kreuzbestäubungen ergeben können.

Anders ausgedrückt: Hier steht Ihnen nichts im Wege, selbst Saatgut zu gewinnen und für die darauffolgende Saison zu verwenden.

 

ThemaF1-Hybriden - Nun ein wenig Vererbungslehre mit Gregor Mendel

Während die so genannten alten, samenfesten Sorten per Auswahlzucht entstanden und durch Inzuchtlinien gefestigt wurden, werden heute gewünschte Eigenschaften durch Hybridzüchtung erhalten - die nichts anderes ist als eine "gesteuerte" Zuchtauswahl.

Vielleicht kann sich noch jemand an den Biologieunterricht und die Mendelschen Gesetze erinnern? Diese benötigen wir nun nämlich, um die "mystischen" Hybriden zu erklären. Interessanterweise schrecken viele Kunden vor Hybriden zurück. Dabei sind diese nicht per se "schlecht/ böse".

Im folgenden eine vereinfachte Darstellung mit nur einem Merkmal (in der Biologie als so genannter monohybrider Erbgang bezeichnet): Nach der 1. Mendelschen Regel, der Uniformitätsregel, ergeben sich bei den Nachkommen bei Kreuzung zweier Pflanzen gleiche Nachkommen, sie sind uniform. Bedingung: Das Merkmal ist bei beiden reinrassig. Bildlich sieht das für die Fruchtform beispielsweise so aus, wenn das Merkmal "runde Frucht" dominant ist:

"Eltern"
P-Generation

Tomate, rund
RR

Tomate, eckig
rr

Keimzellen
R
x
r

F1-Generation

Tomate, rundTomate, rund
Rr

Hier sieht man, dass das "F1" für nichts anderes steht als die 1. Filialgeneration. D.h. die gezielte Kreuzung hin zu den F1-Hybriden ist im Prinzip genauso mit "normaler" Auswahlzucht zu erhalten und für sich betrachtet nichts Unnatürliches. In der Zucht wird dieser, ich nenne es einmal "geführte Weg", nur beschritten, um kontinuierlich gleichbleibende Pflanzen zu erhalten, deren Früchte beispielswiese einen bestimmten Geschmack haben, eine bestimmte Form oder Resistenz.


Ein wirklicher Nachteil gegenüber den alten, samenfesten Sorten ergibt sich erst in der sich  daraus entwickelnden Folgegeneration F2 (also die "Enkel" der Elterngeneration/ P-Generation). Während sich aus samenfesten Sorten wie oben zu sehen gleiche Nachkommen züchten lassen, geht dies bei Hybriden nur teilweise, wie das 2. Mendelsche Gesetz verdeutlicht:

F1-Generation
Tomate, rund
Rr
Tomate, rund
Rr
Keimzellen
R / r
x
R / r
       
F2-Generation
Tomate, rund
RR
Tomate, rund
Rr
 
Tomate, rund
rR
Tomate, eckig
rr

Nach diesem auch Spaltungsgesetz genannten Gesetz, ergeben sich aus gekreuzten Individuen der Tochtergeneration nicht uniforme Nachkommen, sondern das Merkmal spaltet sich wieder auf. Anders ausgedrückt: Man bekommt in dieser 2. Tochtergeneration (F2-Generation) zwar auch das ursprüngliche Individuum, aber eben nicht sicher, sondern immer mit der Wahrscheinlichkeit anderer Kombinationen.

 


 

ThemaDer Vollständigkeithalber - das 3. Mendelsche Gesetz, die Neukombination

Noch komplizierter wird das Ganze, wenn mehrere Merkmale betrachtet werden. Hier greift bei den Nachkommen das 3. Mendelsche Gesetz, das Neukombinationsgesetz. Dieses sagt aus, dass die Nachkommen nicht nur die (unterschiedlichen) Merkmale der Eltern aufweisen, sondern sich auch neue Merkmalskombinationen ausbilden.

P
Tomate, rund
RR / TT
Tomate, rund
rr / tt
KZ
RT
x
rt
F1

Tomate, rundTomate, rundTomate, rundTomate, rund
RrTt


F2-Generation

Die folgende Tabelle zeigt quasi den genetischen Code (genauer: den Genotyp) der F2-Generation, der sich aus den nun sehr unterschiedlichen Keimzellen (in der grauen Spalte/ Zeile) ergibt.

 
RT
rT
Rt
rt
RT
RRTT
RrTT
RRTt
RrTt
rT
RrTT
rrTT
RrTt
rrTt
Rt
RRTt
RrTt
RRtt
Rrtt
rt
RrTt
rrTt
Rrtt
rrtt

Wie sich dieser Genotyp auf das Aussehen, den so genannten Phänotyp, auswirkt, zeigt die bebilderte Tabelle:

 
RT
rT
Rt
rt
RT
Tomate, rund
Tomate, rund
Tomate, rund
Tomate, rund
rT
Tomate, rund
Tomate, rund
Rt
Tomate, rund
Tomate, rund
rt
Tomate, rund
Tomate, rund

Im Beispiel würde man hier von einem Dihybriden Erbgang sprechen, einem Erbgang mit zwei Merkmalspaaren. In der F2-Generation haben sich nun noch neben den bisherigen beiden Tomaten, welche mit neuen Kombinationen (nämlich rund/lachend und eckig/traurig) ergeben.

 

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